
Das Wichtigste in Kürze
- 63 Städte zusammen (2025)
- über 271 Mio. Euro aus Tempo- und Rotlichtverstößen
- Hamburg
- 41,8 Mio. Euro
- Berlin
- 37,9 Mio. Euro
- Berlin, alle Verkehrs-OWi 2025
- 118,9 Mio. Euro
- Messtechnik der 63 Städte
- 482 stationäre, 267 mobile Anlagen
Wie viel nehmen Städte mit Blitzern ein?
Die 63 Städte, die an einer Umfrage der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV) teilgenommen haben, nahmen 2025 zusammen mehr als 271 Millionen Euro mit Geschwindigkeits- und Rotlichtverstößen ein.
Angeschrieben hatte die Arbeitsgemeinschaft 126 Städte. Nur die Hälfte hat geantwortet. Die Summe ist also keine bundesweite Gesamtzahl. Die höchsten Einnahmen meldeten:
- Hamburg: 41,8 Millionen Euro (5,2 Millionen weniger als im Vorjahr)
- Berlin: 37,9 Millionen Euro (4,4 Millionen mehr als im Vorjahr)
- Düsseldorf: 17,6 Millionen Euro
- Stuttgart: 16,9 Millionen Euro
Karlsruhe meldete 17,8 Millionen Euro, allerdings einschließlich der Bußgelder für Falschparken. 35 der teilnehmenden Städte lagen über einer Million Euro. Zusammen setzten die 63 Städte 482 stationäre und 267 mobile Messanlagen ein.
Was zeigen die amtlichen Zahlen aus Berlin?
Die Bußgeldstelle der Polizei Berlin hat 2025 insgesamt rund 118,9 Millionen Euro eingenommen. Diese Summe umfasst alle dort bearbeiteten Verkehrsordnungswidrigkeiten, nicht nur Blitzerfälle.
Die Zahlen stammen aus der Antwort des Senats vom 15. Juni 2026 auf eine Schriftliche Anfrage im Abgeordnetenhaus (Drucksache 19/26136):
- 2024: 3.538.760 Verwarnungsgeldangebote, 376.171 Bußgeldbescheide, 112,4 Millionen Euro Einnahmen
- 2025: 3.674.077 Verwarnungsgeldangebote, 388.669 Bußgeldbescheide, 118,9 Millionen Euro Einnahmen
- 2026 bis 30. April: 1.244.645 Verwarnungsgeldangebote, 150.124 Bußgeldbescheide, 43,0 Millionen Euro Einnahmen
Für Geschwindigkeitsverstöße allein nennt der Senat für 2024 rund 850.600 Anzeigen und 33,4 Millionen Euro Einnahmen. Für Januar bis Juli 2025 waren es rund 534.600 Anzeigen und 21,6 Millionen Euro. Neuere Daten lagen im Mai 2026 noch nicht valide vor.
Woher kommen die meisten Fälle?
In Berlin stammen die meisten Tempoverstöße aus mobilen Messungen. 2025 stellten mobile Geräte 697.876 Verstöße fest, die stationären Anlagen 20.349.
Zu den mobilen Geräten zählt die Polizei Berlin Radarwagen, Handlasermessgeräte und Geschwindigkeitsmessanhänger. Im Mai 2026 waren 42 von 48 stationären Anlagen in Betrieb. Gründe für Ausfälle waren unter anderem Baustellen, eine fehlende Eichung am Standort, ein Defekt und Sachbeschädigung. Welche Geräte in der Praxis eingesetzt werden, erklären wir in unserer Übersicht der Messgeräte.
Was bedeutet das für Ihren Fall?
Hohe Fallzahlen bedeuten viel Routine in den Bußgeldstellen. Fehler bei Messung, Zustellung oder Fristen kommen dabei vor. Ob Ihr Bescheid davon betroffen ist, zeigt erst die Akte. Ein Fachanwalt für Verkehrsrecht, den Sie über die Blitzerkanzlei beauftragen, beantragt Akteneinsicht, prüft Messung und Verfahren und sagt Ihnen, ob sich ein Einspruch lohnt.
Wohin fließt das Geld?
Das Geld fließt an die Stelle, deren Behörde den Bescheid erlassen hat. Bei Städten, die selbst blitzen, bleibt es in aller Regel im kommunalen Haushalt.
Nach § 90 Absatz 2 des Ordnungswidrigkeitengesetzes fließen Geldbußen in die Landeskasse, wenn keine Bundesbehörde entschieden hat und das Gesetz nichts anderes bestimmt. Die Länder können abweichende Regeln treffen. In der DAV-Umfrage gaben alle antwortenden Städte an, dass die Einnahmen vollständig bei der Kommune bleiben. In Berlin als Stadtstaat gehen sie in den Landeshaushalt.
Sind Blitzer vor allem eine Einnahmequelle?
Das lässt sich aus den Einnahmen allein nicht ablesen, denn den Einnahmen stehen Kosten gegenüber, die selten vollständig veröffentlicht werden.
Eine semistationäre Anlage kostet nach Angaben der DAV-Arbeitsgemeinschaft rund 150.000 Euro. In Berlin sind für Bußgeldstelle und technische Verkehrseinheit gut 340 Stellen vorgesehen. Der Senat hat die Mittel für Überwachungstechnik 2026 und 2027 um jeweils 500.000 Euro erhöht. Eine vollständige Kosten-Nutzen-Rechnung legen die Städte in der Regel nicht vor.
Rechtlich dient die Verkehrsüberwachung der Sicherheit. Laut Statistischem Bundesamt war zu schnelles Fahren 2025 bei 29 Prozent der Verkehrstoten eine Unfallursache.
Was bedeuten die Zahlen für Betroffene?
Die meisten Verfahren enden mit einem Verwarnungsgeld, nicht mit einem Bußgeldbescheid.
Ein Verwarnungsgeld beträgt nach § 56 OWiG 5 bis 55 Euro. Erst darüber folgt ein Bußgeldbescheid, gegebenenfalls mit Punkten und Fahrverbot. Auffällig ist die Zahl der Verfahren, die Berlin wegen Verfolgungsverjährung einstellen musste: 46.220 im Jahr 2024 und 69.651 im Jahr 2025. Wann eine Verjährung eintritt, hängt vom Einzelfall ab.
Häufige Fragen
Welche Stadt nimmt am meisten mit Blitzern ein?
Unter den 63 Städten der DAV-Umfrage lag Hamburg 2025 mit 41,8 Millionen Euro vorn, gefolgt von Berlin mit 37,9 Millionen Euro.
Ist die Summe von 271 Millionen Euro eine Zahl für ganz Deutschland?
Nein. Sie umfasst nur die 63 Städte, die geantwortet haben. Einnahmen anderer Städte, der Landkreise und der Polizei auf Autobahnen sind nicht enthalten.
Müssen Städte die Einnahmen für Verkehrssicherheit ausgeben?
Die Städte der DAV-Umfrage gaben an, dass die Einnahmen vollständig bei der Kommune bleiben. Eine bundesweite Pflicht, das Geld für Verkehrssicherheit zu verwenden, ist uns nicht bekannt.
Quellen
- Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht im DAV: Hamburg auch 2025 Gewinner des Goldenen Blitzers (15.07.2026) verkehrsanwaelte.de
- Abgeordnetenhaus Berlin, Drucksache 19/26136: Blitzer und Bußgeldstelle (Antwort vom 15.06.2026) pardok.parlament-berlin.de
- § 90 OWiG gesetze-im-internet.de
- § 56 OWiG gesetze-im-internet.de
- Statistisches Bundesamt: Pressemitteilung Nr. 238 vom 7. Juli 2026 destatis.de


