ESO ES 3.0: Funktionsweise, Fehlerquellen und Einspruch

Der Einseitensensor ES 3.0 von eso misst mit Helligkeitssensoren am Fahrbahnrand und wird meist mobil auf Stativ oder aus einem Fahrzeug eingesetzt. In unserer Datenbank ist ESO ES 3.0 an 5.030 Messstellen erfasst, die meisten davon in Nordrhein-Westfalen und Bayern.

Blitzerkanzlei.de RedaktionVon Blitzerkanzlei.de Redaktion · Stand September 2026

Messstellen
5.030
dokumentierte Fälle
11.234
Messprinzip
Lichtsensor (Einseitensensor)
Hersteller
eso GmbH

Steckbrief: ESO ES 3.0

Hersteller
eso GmbH, Singen
Messverfahren
passive Helligkeitssensoren (Einseitensensor), Weg-Zeit-Messung
Einsatz
vor allem mobil (Stativ, Messfahrzeug), auch in festen Gehäusen
Beweismittel
Messfoto und digitale Messdatei
Toleranzabzug
bis 100 km/h 3 km/h, darüber 3 %
Eichung
vorgeschrieben, in der Regel bis Ende des folgenden Kalenderjahres gültig
In unserer Datenbank
5.030 Messstellen, 11.234 dokumentierte Fälle

So misst ESO ES 3.0

Der Sensorkopf enthält mehrere Helligkeitssensoren, die quer auf die Fahrbahn blicken. Fährt ein Fahrzeug vorbei, ändert sich die Helligkeit nacheinander an den Sensoren. Aus dem bekannten Abstand der Sensoren und der Zeit dazwischen errechnet das Gerät die Geschwindigkeit; eine Kamera löst das Messfoto aus. Das Gerät sendet selbst keine Strahlen aus.

Ablauf einer Messung

  1. Aufbau am Fahrbahnrand, Ausrichtung parallel zur Fahrbahn und Einstellung der Sensorhöhe.
  2. Die Sensoren registrieren das Helligkeitsprofil jedes vorbeifahrenden Fahrzeugs.
  3. Aus Weg und Zeit entsteht der Messwert.
  4. Bei Überschreitung: Foto und Speicherung in der Messdatei.

So erkennen Sie ESO ES 3.0

Kleiner Sensorkopf auf einem Stativ am Fahrbahnrand, daneben Kamera und Blitz – oft neben einem geparkten Messfahrzeug oder in einem Kasten am Straßenrand.

Typische Fehlerquellen bei ESO ES 3.0

Die meisten Blitzer gelten vor Gericht als „standardisiertes Messverfahren“: Ist das Gerät zugelassen, geeicht und nach Gebrauchsanweisung von geschultem Personal bedient worden, gehen Gerichte grundsätzlich davon aus, dass das Ergebnis stimmt. Wer die Messung angreifen will, muss deshalb konkrete Anhaltspunkte für einen Fehler vortragen – und die finden sich meist erst in der Bußgeldakte und in den Messdaten.

Aufbau
Der Sensor muss parallel zur Fahrbahn und in der vorgeschriebenen Höhe stehen.
Fotoposition
Die Position des Fahrzeugs im Messfoto muss zum Zeitpunkt der Messung passen – sonst ist die Zuordnung fraglich.
Mehrere Fahrzeuge
Überholvorgänge und Fahrzeuge nebeneinander erschweren die Zuordnung.
Messdatei
Welche Daten gespeichert werden und ob sie eine Nachprüfung erlauben, hängt vom Softwarestand ab.

Ob einer dieser Punkte im Einzelfall zutrifft, zeigt erst die Bußgeldakte mit den Messdaten. Sie fordert ein Fachanwalt für Verkehrsrecht an und lässt sie bei Bedarf von einem Sachverständigen auswerten.

Toleranzabzug bei ESO ES 3.0

Vom gemessenen Wert wird eine Messtoleranz abgezogen: bis 100 km/h pauschal 3 km/h, darüber 3 Prozent. Der Abzug wird dabei zugunsten der Betroffenen auf volle km/h aufgerundet. Maßgeblich für Bußgeld, Punkte und Fahrverbot ist allein der Wert nach Abzug der Toleranz.

Beispiele für den Toleranzabzug
MessungNach ToleranzabzugVorgeworfen
68 km/h gemessen, innerorts 50 km/h erlaubt 68 − 3 = 65 km/h 15 km/h zu schnell
137 km/h gemessen, 100 km/h erlaubt 3 % von 137 = 4,11 → 5 km/h Abzug, also 132 km/h 32 km/h zu schnell

Eigenen Fall mit dem Bußgeldrechner berechnen

Eichung und Zulassung

Messgeräte für die Verkehrsüberwachung müssen geeicht sein. Die Eichung gilt in der Regel bis zum Ende des Kalenderjahres, das auf die Eichung folgt. Wird das Gerät repariert oder ist das Eichsiegel verletzt, muss es neu geeicht werden. Außerdem braucht jedes Gerät eine Zulassung für die Bauart – in Deutschland in der Regel über die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB). Gemessen werden darf nur mit dem Softwarestand, der von dieser Zulassung gedeckt ist.

Wichtige Gerichtsentscheidungen

  • BGH, 19.08.1993 – 4 StR 627/92: Grundlage des „standardisierten Messverfahrens“: Bei amtlich zugelassenen Geräten, die geeicht sind und nach Gebrauchsanweisung bedient werden, dürfen Gerichte grundsätzlich vom Messergebnis ausgehen. Zweifel müssen sich auf konkrete Anhaltspunkte stützen.
  • BVerfG, 12.11.2020 – 2 BvR 1616/18: Betroffene haben grundsätzlich Anspruch auf Zugang zu Informationen, die nicht in der Bußgeldakte stehen, aber für die Prüfung der Messung wichtig sein können – etwa Rohmessdaten, Wartungs- und Reparaturnachweise.

Was ein Fachanwalt in der Bußgeldakte prüft

Die folgenden Punkte sind keine Anleitung zur Selbstprüfung. Sie zeigen, worauf es ankommt. Die vollständige Akte mit den Messdaten bekommt in der Praxis der Anwalt, und ihre Bewertung setzt Erfahrung mit dem Gerät und der Rechtsprechung voraus. Lassen Sie Ihren Fall deshalb von einem Fachanwalt für Verkehrsrecht über die Blitzerkanzlei prüfen, statt selbst tätig zu werden.

  • Messdatei und Position des Fahrzeugs im Foto
  • Aufbauprotokoll: Ausrichtung und Sensorhöhe
  • Eichschein: War das Gerät am Tattag gültig geeicht?
  • Schulungsnachweis: War die messende Person für genau dieses Gerät geschult?
  • Messprotokoll: Aufbau, Tests und Besonderheiten während der Messung dokumentiert?
  • Messfoto und Messdaten: Ist das Fahrzeug eindeutig zugeordnet, ist die Fahrerin oder der Fahrer erkennbar?
  • Beschilderung: Galt das Tempolimit an der Messstelle tatsächlich, und war es erkennbar?

Was der Anwalt anfordern kann

Akteneinsicht
Über eine Anwältin oder einen Anwalt lässt sich die vollständige Bußgeldakte anfordern – mit Messprotokoll, Messfoto, Eichschein und Schulungsnachweis.
Messdaten
Die digitalen Messdaten (Falldatei, Rohmessdaten) können herausverlangt werden, damit ein Sachverständiger die Messung nachrechnen kann.
Lebensakte des Geräts
Wartungen, Reparaturen und Eichungen des konkreten Geräts stehen in dessen Gerätehistorie; auch sie können angefordert werden.
Sachverständigengutachten
Ein technischer Sachverständiger prüft, ob die Messung nach den Vorgaben des Herstellers und der Zulassung zustande gekommen ist.

Wo ESO ES 3.0 eingesetzt wird

Auswertung unserer Datenbank: 5.030 Messstellen, an denen ESO ES 3.0 genannt ist.

Nach Bundesland

Messstellen ohne sicheren Ort sind nicht mitgezählt.

Städte und Gemeinden mit den meisten Messstellen

Autobahnen und Bundesstraßen

Innerorts / außerorts
685 / 1.780 Messstellen
Häufigste Tempolimits
50 km/h (518), 100 km/h (329), 70 km/h (322), 80 km/h (266), 60 km/h (201), 30 km/h (165)
Überwachung
Geschwindigkeit (4.223), Handy am Steuer (18), Abstand (11), Rotlicht (5), Überholverbot (2)

Dokumentierte Fälle nach Jahr

JahrFälleAnteil
201148
201227
2013193
201412
2015998
20161.157
20171.630
20181.929
20191.473
20201.215
20211.499
2022655
2023289
2024109

Jahr der Veröffentlichung in unserer Datenbank.

Häufige Fragen zu ESO ES 3.0

Wie funktioniert das Messgerät ESO ES 3.0?

Der Sensorkopf enthält mehrere Helligkeitssensoren, die quer auf die Fahrbahn blicken. Fährt ein Fahrzeug vorbei, ändert sich die Helligkeit nacheinander an den Sensoren. Aus dem bekannten Abstand der Sensoren und der Zeit dazwischen errechnet das Gerät die Geschwindigkeit; eine Kamera löst das Messfoto aus. Das Gerät sendet selbst keine Strahlen aus.

Woran erkenne ich ESO ES 3.0?

Kleiner Sensorkopf auf einem Stativ am Fahrbahnrand, daneben Kamera und Blitz – oft neben einem geparkten Messfahrzeug oder in einem Kasten am Straßenrand.

Welche Fehlerquellen gibt es bei ESO ES 3.0?
  • Aufbau: Der Sensor muss parallel zur Fahrbahn und in der vorgeschriebenen Höhe stehen.
  • Fotoposition: Die Position des Fahrzeugs im Messfoto muss zum Zeitpunkt der Messung passen – sonst ist die Zuordnung fraglich.
  • Mehrere Fahrzeuge: Überholvorgänge und Fahrzeuge nebeneinander erschweren die Zuordnung.
  • Messdatei: Welche Daten gespeichert werden und ob sie eine Nachprüfung erlauben, hängt vom Softwarestand ab.
Sendet der ES 3.0 Strahlen aus?

Nein. Der Einseitensensor misst passiv über Helligkeitsänderungen; deshalb können Radarwarner ihn nicht erkennen.

Welche Toleranz wird bei ESO ES 3.0 abgezogen?

Vom gemessenen Wert wird eine Messtoleranz abgezogen: bis 100 km/h pauschal 3 km/h, darüber 3 Prozent. Der Abzug wird dabei zugunsten der Betroffenen auf volle km/h aufgerundet. Maßgeblich für Bußgeld, Punkte und Fahrverbot ist allein der Wert nach Abzug der Toleranz.

Muss ESO ES 3.0 geeicht sein?

Messgeräte für die Verkehrsüberwachung müssen geeicht sein. Die Eichung gilt in der Regel bis zum Ende des Kalenderjahres, das auf die Eichung folgt. Wird das Gerät repariert oder ist das Eichsiegel verletzt, muss es neu geeicht werden. Außerdem braucht jedes Gerät eine Zulassung für die Bauart – in Deutschland in der Regel über die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB). Gemessen werden darf nur mit dem Softwarestand, der von dieser Zulassung gedeckt ist.

Kann man gegen eine Messung mit ESO ES 3.0 Einspruch einlegen?

Ja. Ob die Messung angreifbar ist, zeigt aber erst die Bußgeldakte mit Messprotokoll, Eichschein und Messdaten. Innerhalb von zwei Wochen nach Zustellung des Bußgeldbescheids muss der Einspruch eingehen. Akte und Messdaten fordert in der Regel ein Fachanwalt für Verkehrsrecht an und wertet sie aus, bei Bedarf mit einem Sachverständigen. Das ist deutlich aussichtsreicher, als selbst tätig zu werden.

Wo wird mit ESO ES 3.0 gemessen?

In unserer Datenbank ist ESO ES 3.0 an 5.030 Messstellen erfasst, die meisten in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg. Die Liste steht auf dieser Seite.

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Messstellen mit ESO ES 3.0

Stand: September 2026. Allgemeine Informationen, keine Rechtsberatung im Einzelfall.

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